Foto: Maximilian Dörrbecker (Chumwa) · CC BY-SA 2.5 · Wikimedia CommonsBayern hat 22 Tore geschossen und führt trotzdem nicht allein
22 Tore in 6 Spielen. 115 Bälle in den gegnerischen Strafraum gebracht, 22 im eigenen zugelassen. 22,8 erwartete Tore erzeugt, 5,7 abgegeben.
Das sind die Zahlen des FC Bayern nach sechs Spieltagen, und in keiner der fünf grossen Ligen gibt es eine Offensive, die dem nahekommt. Nach diesen Zahlen müsste die Bundesliga längst entschieden sein.
Bayern hat 14 Punkte. Borussia Dortmund hat auch 14.
Wenn Dominanz nicht in Punkte umschlägt
Rechnet man die sechs Spiele mit den erarbeiteten und zugelassenen Chancen nach, kommt Bayern auf 16,6 Punkte. Geholt hat die Mannschaft 14. Ein Minus von 2,6, und das ist die eigentliche Geschichte dieser Bundesliga-Hinrunde: Der klar beste Kader des Landes lässt etwas liegen.
Dortmund steht bei 14 Punkten aus 12,0 erwarteten. 11 Tore aus 12,2, vier Gegentore aus 6,0. Das ist kein Glücksritt, sondern eine Mannschaft, die etwas mehr mitnimmt, als sie produziert, und das reicht derzeit, um mit der besten Offensive des Kontinents gleichzuziehen.
Freiburg ist mit 13 Punkten aus 11,2 ebenfalls im Plus und hat dabei nur 32 Strafraumeintritte in 5 Spielen, den zweitniedrigsten Wert der Liga. Es wird wenig gebraucht, um oben zu stehen, wenn man das Wenige verwertet.
Hoffenheim, 76 zu 19 und drei Punkte

Die auffälligste Zahl der ganzen Liga steht nicht bei den Spitzenteams.
Hoffenheim hat in 5 Spielen 76 Bälle in den gegnerischen Strafraum gebracht und 19 im eigenen zugelassen. Das Verhältnis von vier zu eins ist nach Bayern das beste der Bundesliga. Territorial spielt diese Mannschaft wie ein Europapokalanwärter.
Sie hat 3 Punkte und steht auf Rang 17.
Erwartet hätte Hoffenheim 6,6. Die Diskrepanz von 3,6 Punkten ist zusammen mit Gladbach die grösste der Liga, und sie erklärt sich nicht durch die Abwehr: 13 Gegentore bei 9,9 zugelassenen erwarteten Toren sind schlecht, aber nicht katastrophal. Das Problem sind 9 Tore aus 9,6 erwarteten, also eine völlig normale Verwertung, kombiniert mit Gegentoren zu den schlechtestmöglichen Zeitpunkten.
Gladbach steht nach 5 Spielen bei null Punkten und hätte 3,8 verdient. 18 Gegentore bei 14,0 zugelassenen. Hier ist der Rückstand echt, der Absturz aber grösser als das Spiel.
Und die, die mehr haben, als sie zeigen
Elversberg, der Aufsteiger, hat 10 Punkte aus 5,4 erwarteten. Die Mannschaft lässt 14,8 erwartete Gegentore zu, hat 63 Strafraumeintritte kassiert und dabei nur 36 eigene. Jede strukturelle Zahl sagt unteres Tabellendrittel, die Tabelle sagt Rang vier.
Der Hamburger SV hat 9 Punkte aus 5,5, bei 15 Gegentoren und ebenfalls 63 zugelassenen Strafraumeintritten.
Beide gewinnen gerade Spiele, die sie nach der Chancenverteilung nicht gewinnen sollten. Das ist kein Vorwurf, es ist eine Beschreibung: Eine Mannschaft, die so verteidigt und trotzdem punktet, hat jemanden im Tor, der sie trägt. Erwartete Tore messen, von wo geschossen wird, nicht, wer dahintersteht.
Was das für die nächsten Wochen heisst
Bayern braucht nichts zu ändern. Eine Mannschaft mit 22,8 erwarteten Toren aus 6 Spielen wird irgendwann einen Nachmittag erwischen, an dem alles reingeht, und dann sieht die Tabelle wieder normal aus.
Interessanter sind die beiden Gegenbewegungen. Elversberg und der HSV halten zusammen etwa 8 Punkte mehr, als ihr Spiel hergibt. Hoffenheim und Gladbach halten zusammen gut 7 weniger. Über eine volle Saison treffen sich solche Kurven fast immer wieder, und die Tabelle im Februar wird anders aussehen als die heute.
Falls nicht, liegt der Fehler bei uns, und dann schreiben wir auch das.
T.L.